Wasser 02 – “Flow”: Wasser als Ware, Kontrolle und Macht

“Flow”: Wasser als Ware, Kontrolle und Macht
Von petrapez | auf Radio Utopie Veröffentlicht: 30. Juli 2010

Am 28.Juli gab die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Verabschiedung einer Resolution über das Menschenrecht auf Zugang zu sauberen Wasser und Sanitärversorgung bekannt.

Die folgende umfangreiche Dokumentation wirft ein erschreckend erhellendes Licht auf die Rolle der Welthandelsorganisation WTO, der grossen Konzerne, der Banken und Regierungen in ihrem Bestreben, das Wasser auf diesem Planeten unter ihre Kontrolle zu bekommen.

Diese Gruppierungen werden diese Resolution, die sie für ihre Zwecke mit unterstützt haben, nach Strich und Faden dazu missbrauchen, ihre weiteren Ziele der Privatisierung der Wasservorräte voranzutreiben.

Gleiches gilt für viele andere Beispiele wie das “humane” Engagement im Gesundheitswesen, dem Klimawandel und der Nahrungsmittelproduktion – es geht ausschliesslich um das Geldverdienen. Einzelne Schicksale spielen absolut keine Rolle.

Alles auf dieser Erde ist für diese Kartelle Ware: vom Menschen selbst als Arbeitskraft und Konsument angefangen über das Patentieren der Pflanzen, Tiere und Ideen bis hin zum letzten Tropfen Wasser. Sogar die Luft ist eine Ware in Form der Verschmutzungsrechte inklusive dem CO2-Handel.

Die Privatisierung dieses höchsten Gutes des Lebens, das so wie die Sonne und die Luft niemanden auf dieser Welt gehört, schreitet in den meisten Staaten unaufhörlich voran. Die WTO erpresst Regierungen damit, dass keine Kredite zur Entwicklungshilfe gewährt werden, wenn die Wasserversorgung nicht in die Hände kompetenter Konzerne gelegt werden, die im Interesse der Bevölkerung mit ihrem Wissen und Technologien allein in der Lage sind, den Menschen Zugang zu sauberen Trinkwasser zu gewährleisten.

Es hat sich konsequenterweise herausgestellt, dass eine grosse Anzahl der Armen dadurch von Wasser erst recht abgeschnitten wurden, denn sie können es nicht bezahlen. Es leuchtet jedem ein, dass die Wasserversorgung, die in private Hände gelegt wurde, dem Ziel dient, maximalen Profit zu erwirtschaften. Kein Konzern wäre ein Konzern so wie er heute existiert, würde er nach ethischen Gesichtspunkten handeln.

Grosse Staudammprojekte werden von der WTO bevorzugt mit Kreditvergaben finanziert, die mit der Vertreibung der lokalen Bevölkerung mit ihrem bis dahin intakten Gemeindewesen und Selbstversorgung einhergehen.

Die meisten Menschen in den europäischen Ländern mit ihrem zur Selbstverständlichkeit gewordenem fliessenden Wasserhahn, Dusche und WC in ihrer Wohnung – der hier als “Standard” festgeschrieben ist – werden in diesem Zusammenhang an die ärmsten Länder und die Slum-Viertel auf dieser Welt denken.

Der Zugang zu sauberen Trinkwasser wird auch in den Industrienationen zu einem zunehmenden Problem durch aktuelle und seit vielen Jahrzehnten eingeleitete Industrieabfälle und Chemikalien, die zum Teil durch das Einbringen in den Boden einer Zeitverzögerung unterliegen, der durch den Grundwasserkreislauf bedingt ist.

Hier geht es nicht in erster Linie um Verunreinigungen durch Bakterien sondern um Hormone und Gifte der Industrie. Der Tablettenkonsum ist enorm angewachsen dank der Pharmaindustrie, die für jede existierende oder eingeredete Krankheit ein Mittel anbietet. Nicht nur für Erkrankungen gilt dieses Überangebot zu Lasten der Naturheilkunde, sondern auch gesunden Menschen werden schlank- und fitbleibende Mittelchen für einen gesunden Körper angeboten. Viele Sport- und Kampfstudios sowie Schönheitssalons sind an Vertreiberketten solcher Produkte angeschlossen. Diejenigen, die darauf hereinfallen, sollten zuerst ihren Geist hygienisch in Ordnung bringen, um dann feststellen zu können, was für einer Verkaufswerbestrategie sie auf den Leim gegangen sind. Keine industriell hergestellte Wirkstoffpille kann ein Naturprodukt ersetzen.

Die Nahrungsmittelproduktion ist zu einer industriellen Massenabfertigung verkommen, die mit dem Produzieren von Pflanzen und Tieren unter Einsatz chemischer Stoffe zur Ertragssteigerung anfängt und mit der Verarbeitung und Endfertigung der Erzeugnisse aufhört. Diese Massenindustrie kann nicht mehr ohne Chemiezuschlagsstoffe auskommen. Das Ergebnis ist ein Kunstprodukt, selten noch von ursprünglichen Vitaminen und Spurenelementen versehen, die künstlich wieder zugeführt werden. Hinzu kommen noch Geschmacksverstärker, Farbstoffe, Haltbarkeits- und Antiverklumpungsstoffe, viel zu viel Zucker, Süssstoffe, Jod, Fluorid und andere Chemikalien. Diese belasten den Körper und werden zum Teil über den Ausscheidungsprozess in das Grundwasser eingeleitet. Selbst moderne Kläranlagen sind ausserstande, diese Hormone und Gifte aus dem Wasser zu filtern.

Der Anteil der Schadstoffe im Wasser wird durch weitere Industrieansiedelungen wie die Petrochemie, die KFZ-Produktion – eben alle Fabrikationen, die eine Industrienation auszeichnen – erhöht. Der industrialisierten Welt ist Nachhaltigkeit auf Grund des Konkurrenzdrucks fremd.

Umweltverbände und Bürgerrechtsbewegungen kämpfen in einem ständigen Kampf wie David gegen Goliath gegen Lobbyverbände an. Kleine Teilerfolge kommen zeitlich gesehen viel zu spät. Studien zum Thema werden gefälscht, unliebsame Ergebnisse unterdrückt oder mit Hilfe fingierter unabhängiger Institute angefertigt. Die Chefetagen lassen mit politischer und finanzieller Unterstützung ihrer Regierungen Produktionen in andere Länder verlagern, die über die Ansiedelung erfreut sind und nicht genau hinschauen oder über keine Gesetze verfügen, die die Umwelt schützen.

Selbst in den Industrienationen ist es nicht mehr selbstverständlich, eine unabhängige Institution zu finden, die bereit ist, belastende Proben zu untersuchen und zu dokumentieren.

Wasser ist ein Mittel der Kriegsführung. Wer sich anmasst, es zu besitzen, will Profit daraus ziehen oder anderen Gruppen seinem Willen und Diktat unterwerfen. Geschichte und Gegenwart zeugen in unzähligen Beispielen von dieser unseligen Konditionierung einiger Personengruppen, die stets nur Gewalt als Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele kennen.

Der Dokumentarfilm “Flow – Wasser ist Leben” zeigt auf, wie wichtig auch für die Menschen, die das angebliche “Glück” haben, in einer modernen Wohlstandsgesellschaft zu leben, das Menschenrecht auf Zugang zu sauberen und bezahlbaren Wasser ist und wie sehr es gilt, sich für das Überleben der nächsten Generationen einzusetzen, damit diese nicht verkrüppelt und deformiert an Körper und Geist die ihnen zugestandene Lebenszeit dahinvegetieren müssen.

Der Mensch neigt dazu, nicht in entfernteren Zeiträumen zu denken und der Gedanke an die Urenkel ist ihm fremd, da sie ihm völlig unbekannt im Dunkeln der Zukunft liegen. Bei der Geburt eines Kindes wird schon an dessen Zukunftsaussichten gedacht, meist in dem Sinne, dass es den Lebensstandard der Eltern halten oder übertreffen sollte – im finanziell-materieller Hinsicht, versteht sich.

Wie die Kinder dieses Neugeborenen und wiederum deren Nachwuchs leben werden ist schon ausserhalb der normalen Vorstellungskraft. Darüber sich Gedanken zu machen, Verantwortung durch nachhaltiges Leben auch für nachfolgende Generationen zu übernehmen, sind nur wenige bereit und in der Lage und wird auch nicht von staatlicher Seite erwünscht und gefördert. Wäre das anders, würde es kaum Gemeinden geben, die auf ihre autarke Versorgung mit Grundgütern freiwillig verzichten würde. Beim heutigen Stand der Technik könnte jedes Haus über eine eigene Zisterne für die Versorgung der Dusche, das Klosett, die Waschmaschine und die Bewässerung eines Gartens sowie über Solaranlagen zur Teilversorgung von Energie verfügen.

Hier stellt sich in diesem Land die böse Frage, wem gehört eigentlich das Wasser, das vom Himmel fällt. Kommunen erheben eine Regenwassersteuer, die sich nach Dachfläche und versiegeltem Boden berechnet, auch wenn der Bürger das Wasser in Tonnen zum Giessen seiner Pflanzen auffängt. Grössere Regenwasserbehälter und Zisternen sind genehmigungspflichtig und können von den Behörden verweigert werden – einzig aus dem Grund, das teure Leitungswasser an den Mann zu bringen.

Dabei braucht die kommunale Kanalisation das eingeleitete Regenwasser, dass der Hausbesitzer zahlen muss – in einigen Städten fängt es bei langer Trockenheit bestialisch aus den Gullis zu stinken an. Diese Probleme der Abzockerei der Kommunen verblassen jedoch angesichts der Milliarden von Menschen, die unter ständigen Wassermangel zu leiden haben und für die jeder aufgefangene Tropfen einen Segen bedeutet und eine Frage des Überlebens ist.

Da der Mensch jedoch für sein heutiges Tun oder Unterlassen mit der schon stattgefundenen und immer noch stattfindenden Verseuchung des Bodens und des Wassers für diese späteren Bewohner der Erde den Grundstein für deren lebenswerten Leben oder Siechtums legt, trägt er im Hier und Jetzt die volle Verantwortung – JEDER.

Kein Einziger kann seine Hände in Unschuld waschen und sagen, er hätte nichts damit zu tun oder nichts gewusst. Denn, er weiss es: es gibt genügend Dokumentationen darüber, selbst in der billigsten Tratschpresse werden Themen wie Umweltgifte oder -unfälle aufgenommen, um mal wieder was Sensationelles zu bringen.

Es gilt, ganzen Kartellen, Syndikaten und Verbrechern an der Menschheit und an dem Leben des Planeten im Interesse unserer Nachgeborenen und auch im eigenen, den Kampf anzusagen.

“Flow” zeigt auf, warum das zwingend notwendig geworden ist und es gibt auch die Hoffnung, dass noch viel mehr Menschen erfolgreiche Initiativen ergreifen werden, so wie diese zahlreich in dem Filmbeitrag vorgestellt werden.

Die Bevölkerungen aller Staaten sollte es wie die Regierung in Bolivien machen und die Wasserhaie aus dem Land schmeissen, nachdem sie nach erfolgter Genehmigung zur Verbesserung der Wasserversorgung ihre unersättliche Fratze gezeigt hatten und grosses Elend über Teile der Bewohner gebracht hatten.

Mein besonderer Dank gilt Jörg für den Hinweis auf diese umfangreiche entlarvende Dokumentation über die Folgen der Privatisierung des Wassers.

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from Nebel CC
Flow – Wasser Ist Leben
Originaltitel: Flow – For Love Of Water
Länge: 81 Minuten
Regie: Irena Salina

Mehr als 30% der Menschheit leidet unter den Folgen der Wasserknappheit, jedes Jahr sterben mehr als 2 Millionen Menschen aufgrund schlechten oder fehlenden Wassers. Großkonzerne privatisieren die Süßwasservorräte der Erde, und sauberes Wasser könnte zu einem der wertvollsten Güter aller Zeiten werden. Wie der Mensch auch in Zukunft weiterhin von der Natur leben kann, ist die Frage in einer Zeit, in der so viele Menschen wie nie zuvor täglich um sauberes Wasser kämpfen müssen.

Kritik
von Julian Reischl

Eine großartige Dokumentation zum Thema Nummer eins des aktuellen Jahrhunderts: Der Zugang zu sauberem Wasser. Regisseurin Irena Salina beleuchtet die Problematik, interviewt Verantwortliche beider Seiten und führt den Zuschauer mit allen Pro- und Contraargumenten an diese noch offene Frage heran. Der Film wurde 2008 auf dem Sundance-Festival für den Großen Preis der Jury nominiert.

Wer hierzulande den Wasserhahn aufdreht, macht sich meist keine Vorstellung davon, welchen Luxus er eigentlich gerade erlebt. Denn in unserem gemäßigten Klima mit den vergleichsweise strengen Gesetzen ist es relativ einfach, sauberes Wasser für zig Millionen bereitzustellen. Doch der Schein trügt: Eine ganze Menge der über 100.000 bekannten industriellen Chemikalien, die auch in unserem Trinkwasser vorkommen, werden sogar schon beim Duschen in den Körper aufgenommen. Über den Abwasserkreislauf und das Grundwasser gelangt das Wasser – und mit ihm die gelösten Chemikalien – letztendlich wieder in die Nahrungskette und verteilt sich damit in die Körper aller Menschen, Tiere und Pflanzen.

Dass plötzlich in der Seine nur noch weibliche Fische schwimmen, Inuit-Mütter selbst im höchsten Norden des Planeten Industriechemikalien mit der Muttermilch abgeben und die Konzentration von Erkrankungen aller Art in der Nähe von großformatiger Düngung in Industrieländern wie Entwicklungsländern gleichermaßen zunehmen, ist aller Wahrscheinlichkeit dem vom Menschen verschmutzten Wasserkreislauf zuzuschreiben. Es tobt ein Kampf um die Trinkwasserversorgung der Menschheit: Für die einen ist sauberes Trinkwasser ein Produkt, das der Kunde sich leisten können muss, für die Mehrheit ist Trinkwasser jedoch ein Menschenrecht, das im Bedürftigkeitsfall auch kostenlos zur Verfügung zu stehen hat.

Schon in We feed the World – Essen global wurde das Thema von Erwin Wagenhofer kurz in einem beeindruckenden Interview mit dem Nestlé-Konzernchef beleuchtet. Im vorliegenden Film von Regisseurin Irena Salina zeigen sich weitere westliche Wasserhändler beeindruckend unbeeindruckt von der Not der Menschen in Entwicklungsländern und der bitteren Armut, die ihnen teilweise verbietet, sauberes Wasser zu kaufen.

Neben Kostendeckung und Gewinnmaximierung, die die Hauptargumente für die Unternehmen und ihre Anteilseigner darstellen, treten noch andere Problematiken zu Tage: Wasserverarbeitende Unternehmen zahlen meist gar nichts für das Wasser, das sie der Umwelt, also der Allgemeinheit, entnehmen, um es aufzubereiten, abzufüllen und zu verkaufen. Auch sind manche Konzerne mittlerweile so groß geworden, dass die abgepumpte Wassermenge deutlich sichtbare Auswirkungen auf die Umwelt hat: Es ist nicht mehr genug für alle da, Flüsse verwandeln sich in Sümpfe, der Grundwasserspiegel sinkt ab, oder mit ihm auch gleich die ganze Landschaft.

Die Filmemacherin Irena Salina dokumentiert mit eindrucksvollen Interviews und bewegenden Bildern einen Kampf der Ideologien. Einen Kampf, der bis auf wenige Ausnahmen nahezu deckungsgleich ist mit den Unterschieden zwischen arm und reich. Die Frage, ob Wasser ein Produkt oder ein Gut ist, lässt sich am ehesten mit dem Sonnenlicht vergleichen: Das Sonnenlicht ist ein Teil unserer Welt und gehört selbstverständlich niemandem und allen zugleich. Niemand würde auf die Idee kommen, die Welt abzuschatten und Licht nur denen zu verkaufen, die es bezahlen können.

Ob es sich mit Wasser ähnlich verhält, wird die Zukunft zeigen: Kann jemand sich das Recht nehmen, den Stoff, mit dem ein Großteil der Erdoberfläche bedeckt ist, und aus dem die Menschen zu 70% bestehen, einzusammeln und den Leuten, denen man es sprichwörtlich abgesaugt hat, zurückzuverkaufen? Dies ist nicht nur die Botschaft von Irena Salinas beeindruckender Dokumentation, sondern auch brennendes Thema nahezu sämtlicher Umweltorganisationen, ethischer Think Tanks und natürlich all derer, die kein sauberes Wasser haben. Eine beeindruckende kurzweilige Dokumentation, die zum Nachdenken, Diskutieren und vor allem zum Aktiv-Werden anregt.

NebelCC

Kritik zu Flow – Wasser ist Leben auf tv-kult

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