EMP Krieg – zum zweiten b

Wenn die NATO die Flugsicherung lahmlegt

(8.6.2014) Man stelle sich vor, das russische Militär würde das Blockieren von Transpondersignalen üben und hätte damit Erfolg – die Reaktionen wären ganz anders, als sie es jetzt sind, wo dies eines der Ziel einer NATO-Übung in elektronischer Kampfführung in Ungarn war. Und die NATO war dabei durchaus erfolgreich, da es Ausfälle bei der zivilen Flugsicherung in Deutschland, Tschechien, Ungarn, der Slowakei und in Österreich gab. Es fragt sich, wie weit diese Verletzung der Gebietshoheit der Staaten über ihr eigenes Territorium vom NATO-Vertrag gedeckt ist – in Österreich liegt jedenfalls eine Souveränitätsverletzung vor, weil wir völkerrechtlich neutral sind.

Nicht ohne Grund sichert Österreich seinen Luftraum im militärischen Bereich selbst, wie es auch die ebenfalls neutrale Schweiz tut, denn die Gebietshoheit gilt eben auch in der Luft. In Medien ist die Rede von „einer brenzligen Situation ist es am Donnerstag im österreichischen Luftraum“, weil die zivile Flugsicherung „kurzfristig“ ausfiel. Die Austro Control, die kritische Fragen rund um die erzwungene Landung der Maschine des bolivianischen Präsidenten Evo Morales auf dem Rückweg von Moskau letzten Juli in Wien nicht beantworten wollte, muss diesmal Stellung nehmen, beschwichtigt aber.

„Die Störung habe rund 25 Minuten gedauert, einige Flugzeuge waren nicht mehr auf dem Radarschirm zu sehen“, heisst es. Man habe Positionsdaten „per Funkkontakt ausgetauscht“, die eigenen Systeme haben einwandfrei funktioniert, sodass es nur eine Störung von außen gewesen sein kann. „Man habe trotz des Ausfalls ‚zu jedem Zeitpunkt gewusst, wo sich die Flugzeuge im österreichischem Luftraum befinden'“, wird die Austro Control zitiert: „Das Luftlagebild wurde durch den Sprechfunkkontakt ergänzt, zusätzliche Fluglotsen kamen zum Einsatz, die Sicherheitsabstände wurden vergrößert. ‚Die Sicherheit im österreichischem Luftraum war zu jedem Zeitpunkt gewährleistet.‘.“

Die Austro Control überwacht mit Sekundärradar, deshalb benötigt sie Angaben per Transponder, während das Bundesheer, das mit der zivilen Flugsicherung eng vernetzt ist, Primär- und Sekundarrädar verwendet. Seitens des Verteidigungsministeriums beteuert man, dass die militärische Luftraumüberwachung nicht betroffen war, weil sie durch das Primärradar Flugzeuge selbst orten kann. Quelle ist stets die Zeitung „Kurier“, auf die sich auch Austrian Wings in einer Meldung bezieht: „Donnerstag wurde der Albtraum jedes Fluglotsen wahr: Die Flieger verschwanden von den Radarschirmen, obwohl sie noch in der Luft waren. Und das nicht nur bei der Austro Control in Wien, sondern auch bei den Flugsicherungszentralen in Karlsruhe, Prag und Bratislava. Die zivilen Flugsicherungen verwenden ein Sekundärradar. Mit Empfangsanlagen werden die Funksignale der Transponder (Signalgeber, Anm.) der Flugzeuge empfangen.

So weiß der Fluglotse immer über Kurs, Flughöhe und Geschwindigkeit Bescheid. Donnerstag um 14 Uhr verschwanden plötzlich immer mehr Flieger vom Bildschirm. Manche tauchten kurzfristig wieder auf, um abermals zu verschwinden“, wird der „Kurier“ zitiert. Dann wird erklärt, dass man „auf Basis der letzten bekannten Positionen der Flugzeuge die wahrscheinlichen aktuellen Positionen der Flugzeuge errechnet und die Piloten über Funk angewiesen“ habe, „umgehend aktuelle Positionsmeldungen abzugeben. Darüber hinaus sei die Staffelung zwischen den Maschinen vergrößert worden.“ Genaue Zeitangaben werden nicht gemacht, obwohl die Austro Control von 25 Minuten spricht; der Ausfall soll in Österreich bis 17 Uhr, in Nachbarstaaten bis 19 Uhr gedauert haben.

Wenn man sich vorstellt, wie viele tausend Flugzeuge sich im betroffenen Zeitraum über Europa befunden haben, erscheint seltsam, dass die militärischen Luftraumüberwachungen von einer nicht gerade geheimen Übung überrascht gewesen sein sollen. Außerdem müsste man ja den politisch Verantwortlichen zur Kenntnis bringen, welche Gefahren mit einer Übung verbunden sind, zu der auch das Blockieren von Transpondersignalen gehört. Bezeichnender Weise beruft sich der „Kurier“ auf nicht namentlich genannte „Insider“, die von der „größten Katastrophe der jüngeren Luftfahrtgeschichte ohne Folgen“ sprechen. Und das ebenfalls anoyme Zitat „da habe wohl jemand aus Versehen auf den roten Knopf gedrückt“ ist auch vielsagend, zumal sich die NATO in Schweigen hüllt.

Warum übt man nicht über dem offenen Meer, mit Militärmaschinen, die zivile Jets simulieren? Man weiss, dass erfahrene Militärpiloten das Flugverhalten jeder Maschine imitieren können, sodass die Übung dann „echt“ wirken würde. Zudem sei daran erinnert, dass die zahlreichen Übungen am 11. September 2001 in den USA auch Fake-Transpondersignale beinhalteten, jedoch keine Gefahr bestanden haben soll, dass zivile Fluglotsen da etwas durcheinanderbringen. Denn militärische Übungen laufen vollkommen getrennt vom zivilen Geschehen ab, sodass Verwechslungen – und ein Übergreifen auf den zivilen Bereich ausgeschlossen sein müssten.

Nicht nur die NATO hat Erklärungsbedarf, auch die österreichische Bundesregierung und insbesondere der Verteidigungsminister. Wird diese Souveränitätsverletzung, diese Gefährdung des Lebens sowohl von Passagieren als auch der österreichischen Bevölkerung hingenommen oder gibt es Konsequenzen? Schliesslich fragt sich auch, warum das Absaugen von Daten der zivilen Luftraumüberwachung durch ein Special Collection Service von NSA und CIA in Wien geduldet wird. Obwohl diese Daten zu den Grundlage der militärischen Luftraumüberwachung gehören, schweigt das Verteidigungsministerium, seitdem dies im Herbst 2013 bekannt wurde. Passender Weise ist der NATO-Oberbefehlshaber in Europa der amerikanische Luftwaffegeneral Philip Breedlove – viele halten ihn auch für eine Art politischen Oberbefehlshaber der Regierungen von EU und /oder NATO-Staaten….

PS: Natürlich ist in jedem der Länder auch die militärische Luftraumüberwachung betroffen. Denn standardisierte Prozeduren werden durch den „Massenausfall“ außer Kraft gesetzt. Wenn ein Flugzeug nicht angemeldet ist, vom Kurs abkommt, keine Transpondersignale mehr sendet, nicht kommuniziert, werden zur Abklärung der Lage Militärflugzeuge gestartet. Das Procedere folgt Regeln, die zunächst die USA (als Lehre aus Pearl Harbour) vorgegeben haben, und bei denen die Abläufe automatisch sind (wenn das der Fall ist, dann…. ohne dass es ein Nachfragen bei Vorgesetzten braucht). Nach 9/11 wurden diese Regeln auch in breiter Öffentlichkeit bekannt, weil – von der Trennung militärischer Übungen vom zivilen Alltagsablauf abgesehen – innerhalb von 10 Minuten bei einem Zwischenfall der beschriebenen Art Militärjets in der Luft sein müssen.

Dass dies in den USA stundenlang nicht geschah, ist nur dann möglich, wenn in standardisierte Abläufe eingegriffen wird (siehe Erläuterungen von Jochen Scholz, Ex-Bundesheer-Luftwaffeoffizier). Am 5. Juni 2014 griffen diese Prozeduren aus einem anderen Grund nicht – weil sie davon ausgehen, dass regelmässig der eine oder andere Routinefall vorliegt, der durch die militärische Luftraumsicherung geklärt werden muss. In Österreich ist es im Durchschnitt etwas mehr als ein Einsatz jede Woche, nun aber hätte es viele Flugzeuge im österreichischen Luftraum (oder mit Kurs auf ihn) gegeben, die Kriterien für eine Abklärung erfüllen. Wer auch immer sich die NATO-Übung ausgedacht hat, ist mit der „Arbeitsteilung“ zwischen militärischer und ziviler Überwachung wohl vertraut und wollte beide Komponenten treffen. War es ein Angriff der NATO auf EU-Mitglieder zur „Disziplinierung“ in Sachen Umgang mit Russland und Haltung zum permanenten Druck der USA?

Alexandra Bader
alexandra@ceiberweiber.at

Quelle: ceiberweiber.at

NuoViso im Gespräch… mit Jochen Scholz

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Eine Antwort to “EMP Krieg – zum zweiten b”

  1. lothar harold schulte Says:

    Hat dies auf lotharhschulte rebloggt.

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