Karl Marx gegen Zinskritik?

23. Kapitel. Das zinstragende Kapital

 

… Zeit nur angewachsen sein auf 7 sh. 4 1/2 d. Bis jetzt hat unsre Regierung vorgezogen, ihre Finanzen auf diesem letzteren, statt auf dem ersteren Weg zu verbessern.“(80)

Noch höher fliegt er in seinen „Observations on reversionary payments etc.“, London 1772:

„1 sh., ausgelegt bei der Geburt unsers Erlösers“ (also wohl im Tempel von Jerusalem) „zu 6% Zinseszinsen, würde angewachsen sein zu einer größern Summe als das ganze Sonnensystem einbegreifen könnte, wenn in eine Kugel verwandelt von einem Durchmesser gleich dem der Bahn des Saturn.“ – „Ein Staat braucht deswegen sich nie in Schwierigkeiten zu befinden; denn mit den kleinsten Ersparnissen kann er <409> die größte Schuld abzahlen in einer so kurzen Zeit wie sein Interesse erfordern mag.“ (p. XIII, XIV.)

Welche hübsche theoretische Einleitung zur englischen Staatsschuld!

Price wurde einfach geblendet durch die Ungeheuerlichkeit der Zahl, die aus geometrischer Progression entsteht. Da er das Kapital, ohne Rücksicht auf die Bedingungen der Reproduktion und der Arbeit, als selbsttätigen Automaten betrachtete, als eine bloße, sich selbst vermehrende Zahl (ganz wie Malthus den Menschen in seiner geometrischen Progression), konnte er wähnen, das Gesetz seines Wachstums gefunden zu haben in der Formel s = c (1 + z)n, wo s = Summe von Kapital + Zinseszins, c = dem vorgeschoßnen Kapital, z = dem Zinsfuß (in aliquoten Teilen von 100 ausgedrückt) und n die Reihe der Jahre, worin der Prozeß vorgeht.

Pitt nimmt die Mystifikation des Dr. Price ganz ernst. 1786 hatte das Haus der Gemeinen beschlossen, es solle 1 Million Pfd.St. erhoben werden für den öffentlichen Nutzen. Nach Price, an den Pitt glaubte, war natürlich nichts besser, als das Volk besteuern, um die so erhobne Summe zu „akkumulieren“ und so die Staatsschuld durch das Mysterium des Zinseszinses wegzuhexen. Jener Resolution des Hauses der Gemeinen folgte bald ein von Pitt veranlaßtes Gesetz, das die Akkumulation von 250.000 Pfd.St. anordnete,

„bis daß, mit den verfallnen Leibrenten, der Fonds auf 4.000.000 Pfd.St. jährlich angewachsen sei“. (Act 26 Georg III., Kap. 31.)

In seiner Rede von 1792, worin Pitt die dem Tilgungsfonds gewidmete Summe zu vermehren vorschlug, führte er an unter den Ursachen des kommerziellen Übergewichts Englands: Maschinen, Kredit etc., aber als

„die ausgedehnteste und dauerhafteste Ursache die Akkumulation. Dies Prinzip sei nun vollständig entwickelt und hinreichend erklärt in dem Werk Smiths, dieses Genies … diese Akkumulation der Kapitale bewirke sich, indem man mindestens einen Teil des jährlichen Profits zurücklege, um die Hauptsumme zu vermehren, die in derselben Weise im nächsten Jahr zu verwenden sei und so einen kontinuierlichen Profit gebe.“

Vermittelst des Dr. Price verwandelt Pitt so Smiths Akkumulationstheorie in die Bereicherung eines Volks durch Akkumulation von Schulden und kommt in den angenehmen Progreß ins Unendliche der Anleihen, Anleihen, um Anleihen zu zahlen.

 …

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Eine Antwort to “Karl Marx gegen Zinskritik?”

  1. Arcturus Says:

    Hat dies auf Oberhessische Nachrichten rebloggt.

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