Drei Engel für Frauen?

Drei Engel für Frauen?

Anmerkung: Dieser Blog ersetzt Ceiberweiber (wird gerade überarbeitet) temporär. – (17.7.2015) Als „Drei Engel für Frauen“ verkauft uns Uschi Fellner-Pöttler in „look!“ Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser, Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Nationalratspräsidentin Doris Bures (alle SPÖ). Dies ist wohl Wasser auf den Mühlen jener, die dem echo medienhaus allzu große Nähe zur SPÖ nachsagen.

Während Fellners Ex-Ehemann Wolfgang Fellner mit „Österreich“ umstrittenen Politikern wie Verteidigungsminister Gerald Klug Schützenhilfe leistet (eine sogenannte Society-Reporterin wurde auch für ein vorzeigbares Privatleben zur Verfügung gestellt), ist Christian Pöttler als echo-Eigentümer Verleger z.B. bei Gratisbuchaktionen der Stadt Wien und Präsident des ASKÖ-Landesverbandes.

Die gerade wegen vermuteter illegaler Parteienfinanzierung in die Defensive gedrängte FPÖ sendet u.a. aus: „Das rote Panikorchester sollte lieber den Wiener Steuerzahlern erklären, warum allein von 2012 bis 2014 satte 7 Mio. Euro aus dem Steuertopf in die Gratisblättchen des echo medienhauses geflossen sind, das bis 2013 der SPÖ gehört hat.“ Und sie fordert die SPÖ dazu auf, „Verstrickungen“ zwischen ihr und echo offenzulegen. Das echo medienhaus ist übrigens im in den Sand gesetzten Media Quartier Marx zuhause.

Frau Fellner scheint eine jener Frauen zu sein, die Taschen und Schuhe lieben und mit Magazin-Gründungen wie „Woman“, „Madonna“ und nun „look!“ (und als Herausgeberin von Bundesländer-Zeitschriften) andere Frauen davon überzeugen will, dass es nichts Wichtigeres gibt als Schuhe und Taschen. Die genaue Beschreibung nimmt mir aber Sybille Hamann ab, die eine etwas misstrauische Fellner vor einem Jahr für den „Falter“ porträtierte:

„Dabei habe ich mit Uschi Fellner-Pöttler gar kein Problem. Über Frauenzeitschriften wollte ich mit ihr reden. Und über ein Spannungsfeld, auf dem sich diese Frau so gut auskennen muss wie kaum eine andere: Wie spricht man über Äußerlichkeiten, Mode, Schönheit – und hilft Frauen gleichzeitig dabei, sich vom Diktat ebendieser Äußerlichkeiten zu befreien?“

In jener Ausgabe von „look!“ (Juli-August 2015), in der die „drei Engel für Frauen“ auftreten, ist Frau Fellner-Pöttler gezählte 32 Mal abgebildet; Abonnentinnen erhalten als Geschenk ihr neuestes Buch (eine Sammlung ihrer Kolumnen). Der „derzeitige Ehemann“ (c Hamann) Christian Pöttler ist manchmal auch auf Fotos zu sehen; in den Bildtexten ist der Name seiner Ehefrau meist auf „Uschi Fellner“ abgekürzt.

Die Zusammenstellung von Artikeln ist unfreiwillig erhellend, da die „Engel“ die Asylproblematik ansprechen, danach über die aus Syrien geflüchtete Dalal berichtet wird, deren Ehemann offenbar namenlos ist und mit ihr und den beiden Söhnen seit kurzem in Wien ist. Schliesslich gibt es unter dem Titel „Mein Mann ist mein Superstar“ ein Interview mit Kathrin Glock, der Ehefrau des Waffenproduzenten Gaston Glock, die als Tierschützerin gilt und sich vegan ernährt.

Frauen, die um die 50 sind (als Schauspielerin oder Model) wie Frau Fellner-Pöttler, werden natürlich auch danach gefragt, wie sie mit diesem Alter umgehen. Es versteht sich von selbst, dass in Magazinen von Taschen- und Schuh-Fans Männer nur ganz selten so interviewt werden, dass sie 50 als Zäsur zu verstehen haben. Nun aber zu den „drei Engeln für Frauen“, was mehr als peinliche Parteiwerbung ist, da Heinisch-Hosek, Bures und Oberhauser konkrete Frauensolidarität stets vermissen lassen.

Bezeichnend auch, dass die Frauenministerin zwar Kampagnen gegen bearbeitete Bilder und Magermodels führt, dies aber Fellner gegenüber nicht anspricht. Dafür versichert sie, „einen Kompromiss mit einem Mann“ bezüglich Sexualstrafrecht gefunden zu haben. Gemeint ist Justizminister Wolfgang Brandstetter, der damit sicher gut leben kann, ändert er doch nichts an der meist frauenfeindlichen Praxis bei Gericht. Zu Recht tauchte bei einer Pressekonferenz der SPÖ-Frauen letzte Woche die Frage auf, wie es denn mit Verurteilungen bei Vergewaltigung aussieht. Weder die Ministerin noch ihre Entourage konnte mit Zahlen aufwarten; Angaben in einer der TV-Diskussionen zum Sexualstrafrecht belaufen sich aber auf 5 bis 10 %. Nicht nur bei diesem Verbrechen können Männer damit rechnen, in keiner Weise zur Verantwortung gezogen zu werden.

Heinisch-Hosek kritisierte bei der PK aber die Frauen selbst, die nicht den Mut hätten, Anzeige und Verhandlung auch durchzustehen. Die Rede ist von einer Frauenministerin und SPÖ-Frauenvorsitzenden, die im „look!“-Interview meint, selbst noch nie diskriminiert worden zu sein. Dann kann sie in ihrem Leben noch nichts wirklich angestrebt, noch keine ausgetretenen Pfade verlassen haben. Dabei ist für alle drei „Engel“ das wichtigste Frauenthema Arbeit, und doch weicht die Frauenministerin auch hier auf die Frage des „Bewusstseins“ der Frauen selbst aus. Denn diesen sei zunehmend klar, dass Teilzeitarbeit eine Falle ist – dass ihnen aber vielfach auch keine andere Form der Beschäftigung angeboten wird, fällt unter den Tisch.

Auch Gesundheitsministerin Oberhauser wirkt herablassend, wenn sie meint, die Politik solle jenen Frauen helfen, „die es selber nicht schaffen. Es ist wichtig, diesen Frauen zu zeigen, dass es doch noch Möglichkeiten gibt.“ Wobei dieses „Zeigen“ darin besteht, an die Frauen zu appellieren, Interviews zu geben, Kampagnen zu starten, nicht aber, indem Oberhauser und Co. endlich eigenständig frauenpolitisch aktiv werden. Dass alle drei Frauen ausblenden, wer jene Kriege anzettelt, deretwegen Menschen zu uns flüchten, ist zu erwarten; Bures (auch mal Frauenministerin) kritisiert zudem, dass viele Leute Demokratie für etwas Selbstverständliches halten. Was als „drei Engel für Frauen“ verkauft wird, ist allerdings in jeder Hinsicht typisch weibliche Unterstützung für die Männer, die gerade Oberwasser haben, auch bezogen auf die eigene Partei.

Diese Frauen findet frau nicht dort, wo Veränderungen angestrebt werden; sie verbünden sich nicht mit anderen, sie sind nicht Teil von Strategien, sondern ihnen wird von Zeit zu Zeit ihr Platz zugewiesen, etwa wenn Landeshauptleute Heinisch-Hosek als Bildungsministerin auflaufen lassen. Es sind Frauen, die sich verloren haben im Symbolischen; die inzwischen selbst glauben, dass andere Frauen sich besser fühlen, wenn weniger dünne Frauen in Zeitschriften abgebildet sind oder wenn Männerjustiz begreifen soll, dass auch andere Körperteile als der Busen kein öffentliches und betastbares Eigentum sind. „Frauen noch sichtbarer machen“ ist der bezeichnende schon sprachlich absurde Titel einer Presseaussendung der Wiener SPÖ-Frauen.

Es passt dazu, dass Heinisch-Hosek und Co. meinen, verbale „Sichtbarkeit“ via Binnen-I würde verhindern, dass Frauen(diskriminierung) nach wie vor oft unsichtbar ist, weil Frauen gegen Mauern rennen. Haben diese Politikerinnen einmal direkt damit zu tun, wie Frauen (von SPÖ-Genossen) schikaniert, belästigt, diskriminiert werden, ignorieren sie Appelle und wenden sich ab. Dies stellt jede politische Aussage der SPÖ-Politikerinnen in Frage, zeigt aber auch, dass diese sich keine „Eigenmacht“ zutrauen und daher in der Partei nur Mitläuferinnen sind. Wenn in Auseinandersetzungen hinter den Kulissen, die teilweise auch öffentlich wahrnehmbar sind, andere gewinnen und jene Geschichte sind, die jetzt sowohl das SPÖ-Regierungsteam als auch die Partei selbst an die Wand fahren, werden sich Heinisch-Hosek, Oberhauser, Bures und alle anderen gar nicht mehr daran erinnern, dass sie brave Mädchen waren und weggesehen haben, dass sie auf der Seite der zukünftigen Verlierer gewesen sind…

PS: In „look!“ „verrät“ Model Ellen Mcpherson übrigens, „wie man auch mit 50+ umwerfend aussieht“; zu ihren 10 Tipps gehören Sport betreiben, Jeans anziehen, entweder ganz flache Schuhe oder High Heels, viel in der Natur sein und geistiges Interesse: „Ich persönlich finde, Intellekt macht besonders sexy. Lesen Sie Bücher über Wirtschaft und Politik.“

Alexandra Bader
alexandra@ceiberweiber.at

17.7.15 13:00

bisher 2 Kommentar(e) TrackBack-URL

Thyreza (25.8.15 12:04)
ehrlich? Diese drei Grazien und deren sogenannte Arbeit sind indiskutabel und angesichts des diesbezüglich herrschenden Zeitgeistes zieht es mir nicht nur die Schuhe aus, sondern rollt mir obendrein die Zehennägel ein vor Grausen. Die allgemeine Verdummung schreitet hurtig voran. Und wie ich seit längerem sage: wir erleben bzgl. Frauenpolitik gerade einen mächtigen backlash…

Alexandra Bader (25.8.15 16:36)
Liebe Thyreza, es ist bloss etwas dicker als sonst aufgetragen, was in „Look“ steht; auf den Titel „Drei Engel für Frauen“ muss frau ja erstmal kommen. Aber grundsätzlich werden die „drei Grazien“ 😉 in Frauenzeitschriften immer so behandelt; wobei ja ironischerweise „Woman“, „Madonna“ und eben „Look“ von Frau Fellner gegründet wurden und irgendwie alle gleich sind….
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