NSU-2.0-Staatsmärchen in der JW

Aus: Ausgabe vom 10.12.2015, Seite 8 / Ansichten

Zschäpe stützt den Staat

Konstrukt der Anklage übernommen

Von Sebastian Carlens
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Heute knallen die Sektkorken im Kölner Bundesamt:
Beate Zschäpe hat die BRD freigesprochen

Nach über 240 Tagen Schweigen packt die Angeklagte aus: Beate Zschäpe, die angeblich einzige Überlebende des »Nationalsozialistischen Untergrundes« (NSU), ließ am Mittwoch vor dem Münchner Oberlandesgericht ihre Aussage verlesen. Seit den frühen Morgenstunden warteten Zuschauer auf das Ereignis. Bild, Zeit und Spiegel online berichteten aus dem NSU-Container an der Nymphenburger Straße mit Livetickern. Die große Zschäpe-Show, das Finale am Mittwoch.

Wer tatsächlich erwartet hatte, dass die Angeklagte über die Motivation hinter den brutalen Morden, die Abgründe eines menschenverachtenden Weltbildes und die Schützenhilfe der deutschen Geheimdienste aussagen würde, darf enttäuscht sein. Schuld war die Liebe: Verknallt erst in den einen, dann in den anderen Uwe, schlitterte das naive Mädchen Beate in die falschen Kreise, in eine tragische Romanze. Zwar waren Mundlos und Böhnhardt, ihre beiden Lover, auch kaltblütige Killer, aber das will sie erst später erfahren und nicht wirklich gut gefunden haben. Das Leben im nationalsozialistischen Untergrund, eine einzige Enttäuschung: »Ich trank täglich drei bis vier Flaschen Sekt. Ich vernachlässigte unsere Katzen.«

Nach dieser »Aussage« ist klar, warum Zschäpes neue Verteidiger ausschließlich schriftliche Fragen an ihre Mandantin akzeptieren wollen. Die Antworten darauf müssen schließlich noch mit ihrer Legende abgestimmt werden. Der Polizistenmord in Heilbronn, begangen wegen der Dienstpistolen der Beamten? Unwahrscheinlich bei Waffennarren, die die Bude voll mit Revolvern und Pumpguns hatten. Vom Tod ihrer Liebhaber will sie im Radio erfahren und dann ihr Versprechen, die gemeinsame Wohnung anzuzünden, erfüllt haben. Auch das stinkt zum Himmel, denn die Auswertung ihrer Computer hat ergeben, dass sie fröhlich nach »vegetarischer Ernährung« googelte, als ihre Kompagnons in Eisenach längst gestorben waren. Später erhielt sie mehrfach Anrufe von einer Telefonnummer, die auf das Innenministerium zugelassen war. Die will Zschäpe natürlich nie entgegengenommen haben.

Im Bundesamt für Verfassungsschutz wurden am Mittwoch sicher drei bis vier Flaschen Sekt entkorkt, anschließend die Katzen gefüttert. Das Erwartbare ist geschehen, die Angeklagte hat das gesamte Konstrukt einer Anklage, die den multiplen Staatsterrorismus des NSU zum Amoklauf dreier Irrer verklärte, gestützt. Die in die Dutzende gehenden V-Leute, die um die Neonazis herumscharwenzelten, das Geld vom Staat, die »echten falschen« Pässe – alles das ist nie passiert.

Aber die zehn Menschen, die diese eiskalten Vollstrecker mit den allzu mächtigen Freunden ermordet haben, die sind echt, und sie starben wirklich. Ihre Namen sind Enver Simsek, Abdurrahim Özüdogru, Süleyman Tasköprü, Habil Kiliç, Mehmet Turgut, Ismail Yasar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubasik, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter.

PS:
„Die Kommentatoren der Qualitätsmedien bemerken immerhin, dass Zschäpes falsche Selbsstbezichtigung ohne Belege und Beweise daherkommt.“ (Andreas Hauß) … aber nicht in der JW !!!

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